Mobilität lassen sich Saarländer rund 1,5 Milliarden Euro kosten

Neuer Rekord bei Ausgaben der privaten Haushalte - Autoumsatz im Saarland klettert auf 3,24 Milliarden Euro - Höhere Preise für Neu- und Gebrauchtwagen - Markenhandel verliert bei Gebrauchtwagen - Minus im Service - Auto-Berufe mit guter Perspektive - Erwartungen für 2020 mit "einigen Fragezeichen"

[04.03.2020] Saarbrücken. Automobile Rekorde im Saarland! Mit dem Verkauf neuer und gebrauchter Pkw und Nutzfahrzeuge sowie dem Service hat der saarländische Automarkt einen Umsatz von 3,24 Milliarden Euro erreicht. Dieses Umsatzplus von 7,9 Prozent resultiert aus einem hohen Anteil gewerblicher Käufe, einem deutlich höheren durchschnittlichen Neuwagenpreis und einer Verschiebung in den Marktsegmenten zugunsten der SUV. Private Haushalte gaben für einen neuen neuen und einen neuen gebrauchten Pkw und den Service rund 1,5 (Vorjahr: 1,2) Milliarden Euro aus. Im Autojahr 2019 wurden 139.862 Autokäufe bilanziert, davon 41.734 neue Pkw. Die Jahresbilanz sieht den Service mit 2,5 Prozent überraschend im Minus. Die Elektromobilität sei auf kleinem Niveau geblieben. Martin Bitsch, Vorsitzender des Kfz-Verbandes, sagte, die Branche sei mit dem Autojahr 2019 zufrieden. Die Umsatzrendite vor Steuern sei indes mit 1,3 Prozent "unzureichend und unbefriedigend".

Der Gesamtumsatz im saarländischen Automarkt teile sich in 423,6 Millionen Euro für den Service, 1,4 Milliarden Euro für den Neuwagen-Verkauf, 1,2 Milliarden Euro für den Gebrauchtwagenmarkt und rund 180 Millionen Euro für neue und gebrauchte Nutzfahrzeuge. Der Anteil des Kfz-Gewerbes sei leicht von 84 auf 83,6 Prozent gesunken. Er habe 2,7 Milliarden Euro betragen.

Während die Pkw-Neuzulassungen um 5,5 Prozent auf 41.734 Verkäufe geklettert seien, habe der Markt für gebrauchte Pkw enttäuscht.  98.128 Besitzumschreibungen seien "zwar ein normales Jahr, der Marktanteilsverlust des Markenhandels indes ist schmerzhaft". Verluste im markengebundenen Autohandel von 11,4 Prozent auf noch 44.158 Halterwechsel stünden in einer Bilanz, die den reinen Gebrauchtwagenmarkt als Gewinner ausweise. Der reine Gebrauchtwagenhandel habe 21.588 (Vorjahr: 15.957) und der Privatmarkt 32.382 (Vorjahr: 33.909) gebrauchte Pkw gehandelt.

Der Umsatz im Markt mit gebrauchten Pkw sei um 4,3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen. Dabei habe der Markenhandel noch 729 Millionen (Vorjahr: 778) Millionen Euro umgesetzt.  Auch beim Umsatz sei der Gebrauchtwagenhandel mit 215 (Vorjahr: 126) Millionen Euro der Sieger. Im Privatmarkt sei der Umsatz von 262 auf 272 Millionen Euro gestiegen. Die Marktanteile hätten im vergangenen Jahr 45 (Vorjahr: 50) Prozent im Markenhandel, 22 (Vorjahr: 16) Prozent für die Gebrauchtwagenhändler und 33 (Vorjahr: 34) Prozent im Privatmarkt betragen. Ein Grund für diese Veränderungen sei die durch Hersteller-Vertragskündigungen im Markenhandel bedingte gestiegene Zahl der freien Händler. Zudem habe der markengebundene Handel durch digitale Verkäufe verloren und im Geschäft mit Euro5-Diesel lediglich vermittelt.

Der Service habe nach Jahren des stetigen Wachstums unerwartet Verluste hinnehmen müssen. 423,6 Millionen Euro seien eine Einbuße von rund zehn Millionen Euro. Als Gründe nannte Bitsch eine rückläufige Reparatur- und eine niedrigere Wartungshäufigkeit. Außerdem sei die durchschnittliche Schadensumme bei den in 2019 angefallenen Unfallschäden laut dem DAT-Report 2020 gesunken. Die Werkstattauslastung habe im vergangenen Jahr die Allzeit-Höchstwerte aus 2017 und 2018 von durchschnittlich 86 Prozent Auslastungsquote nicht mehr erreicht. Der Jahreswert für 2019 liege bei durchschnittlich 83 Prozent. 

Trotz Rückgängen beim Branchenberuf Automobilkaufmann habe das Kfz-Gewerbe seine exponierte Position im Ausbildungsmarkt gefestigt, sagte Bitsch mit Hinweis auf 330 neue Ausbildungsverträge für Kfz-Mechatroniker. Gegen den bundesweiten Trend sei dies ein Plus von 1,4 Prozent. Automobilkaufleute hätten hingegen 12,1 Prozent auf 87 neue Verträge verloren.

Die Attraktivität der Auto-Berufe sei ungebrochen. Der Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt Hochvolt- und Systemtechnik zum Beispiel könne digitale Assistenzsysteme und alternative Antriebe warten, er sei auf die automobile Zukunft mit einem hohen Maß an Digitalisierung gut vorbereitet. 

Die Elektromobilität sei im Jahr 2019 eine "Brückentechnologie in den Kinderschuhen" geblieben. 96,8 Prozent aller Verkäufe im Saarland seien Pkw mit Verbrennungsmotoren gewesen. Der Anteil alternativer Antriebe liege bei 3,2 Prozent, der der reinen batteriebetriebenen Pkw bei 0,38 Prozent. Der Jahresstart mit einer Verdoppelung der E-Zulassungen im Saarland auf 60 Verkäufe sei hoffnungsvoll.

Dies werde sich im laufenden Autojahr deutlich ändern. Nicht nur der jetzt auf bis zu 6.000 Euro gestiegene Umweltbonus - erstmals gebe es auch finanziellen Bonus für junge Gebrauchtwagen - werde dieser Technologie starken Schub geben, sondern auch die Aktivitäten der Hersteller. Diese könnten den europäischen Flotten-Grenzwert von 95 Gramm CO2 nur dann erreichen, wenn zur Kompensation Elektro-Pkw in den Markt kämen. Bitsch: "Das Thema taktische Zulassungen wird 2020 eine neue Dimension bekommen." Im vergangenen Jahr habe der CO2-Wert aller Neuzulassungen bei 147 Gramm gelegen.

Deutliche Defizite gebe es in der Ladeinfrastruktur. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur verfüge das Saarland über 63 Ladestationen. Eine möglich deutliche Aufstockung werde aktuell durch die zuständige Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) verhindert, die Förderanträge von Autohäusern mit dem Hinweis auf Subsidiarität abgelehnt habe. Autohäuser müssten als Händlervertragsstandard, der von der Automobilindustrie festgelegt worden sei, Ladeeinrichtungen schaffen.

Bitsch sagte, wenn die Bundesregierung mit Milliarden-Subventionen für die Hersteller und den Erfolg der Elektromobilität in den Markt eingreife, dann sollte sie sich für den Erfolg der Ladeinfrastruktur nicht hinter Paragrafen verschanzen.

Das Kfz-Gewerbe sieht der Darstellung von Martin Bitsch zufolge das neue Autojahr mit "einigen Fragezeichen", obgleich die Branche in einer Umfrage Zuversicht gezeigt habe. 50,3 Prozent der Betriebe rechneten laut einer aktuellen Umfrage mit gleichbleibenden oder steigenden Erlösen. Allerdings wagten rund 30 Prozent keine Prognose für 2020. Bitsch sagte, es sei hinreichend bekannt, dass es zwischen der eigenen Firmenkonjunktur und dem Marktgeschehen teilweise deutliche Unterschiede geben könne.

Der Verband im Saarland gehe von rund 36.000 Pkw-Neuzulassungen und 95.000 Besitzumschreibungen aus. Zudem hoffe man, dass sich der Service erhole und wieder auf eine Erfolgsspur, wie in den Vorjahren zurückkehre. Sondereffekte und Marktverzerrungen sowie deutliche Eingriffe in das Preisgefüge für neue und gebrauchte Pkw durch den auf bis zu 6.000 Euro gestiegenen Umweltbonus erschwerten verlässlichere Prognosen. Es werde ein spannendes Autojahr vor dem Hintergrund, dass die Politik für die Elektromobilität ein Schlüsseljahr erwarte, offensichtlich nach dem Motto "koste es, was es wolle".

Der Verband bleibe bei seiner Position, die klimafreundliche Mobilität der Zukunft technologieoffen gestalten zu wollen. Die einseitige Festlegung auf Stromer und diese hohe finanzielle Förderung benachteilige beispielsweise die sauberen Diesel der Abgasnorm Euro 6d-temp, die im vergangenen Jahr wesentlich zu einer sauberen Stadtluft beigetragen hätten.

 

 

 

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Niklas Burmester
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